Schweizer Banken müssen im Fintech-Zeitalter umdenken: Fachartikel Netzwoche

Dieser Beitrag erschien im Fintech-Special der Netzwoche vom Juli 2018.

Die Finanzwelt befindet sich im Wandel: Kunden erwarten neue Dienste, massgeschneiderte Produkte und Services und sind gar selbst zu einem integralen Teil des Geschäftsmodells geworden. Doch wie machen sich Banken fit für diesen Paradigmenwechsel und welche Rolle spielt dabei Fintech?

Banken müssen sich den neuen Marktgegebenheiten anpassen.

Das Kundenverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten in jeder Branche stark gewandelt. Bankkunden, die vor Kurzem E-Banking klassisch zuhause auf ihrem Desktop- Computer nutzten, managen heute dank Mobile Banking jederzeit und standortunabhängig auf Smartphones ihre
Finanzen. Heute ist der Kunde gar Teil des Geschäiftsmodells geworden, wenn er sich selbst um Onboarding, Adressänderungen und ähnliche Anpassungen kümmert. Des Weiteren fordern immer intelligentere Technologien wie etwa Bots die Realisierung neuer Geschäftsmodelle. Gleichzeitig wird Tech immer erschwinglicher, und jeder Kunde trägt einen Supercomputer in der Tasche, mit dem er dank leistungsfähiger Internetbandbreite jederzeit digitale Leistungen beziehen kann. Ausserdem wird Technologie auch für Laien immer leichter anwendbar, so können Kunden etwa mittels 3D-Druck ihre persönlichen Bankkarten bequem zuhause oder im Büro ausdrucken.

Etablierte Banken treffen auf Fintech-Start-ups

Bewährte Fintech-Unternehmen und -Start-ups haben mit disruptiven Ideen die Finanzindustrie aufgemischt. In diesem Kontext treiben zwei Schlüsselthemen die heutige Finanzindustrie an:

  • Banken werden vermehrt mit Fintech-Start-ups und Unternehmen zusammenspannen.
  • Fintech-Start-ups und Unternehmen werden die Banken dazu drängen, agiler zu werden.

Fintech erfordert ein Umdenken

Um fit fürs Fintech-Zeitalter zu sein, muss bei Banken ein Umdenken in fünf Schritten stattfinden:

  1. Agilität bedeutet Time-to-Market: Veränderung ist heute der Normalzustand, und langwierige Projekte sind schnell nicht mehr aktuell. Es ist wichtig, dass man schnell echten Mehrwert generiert und diesen sofort auf dem Markt testet.
  2. Teilen statt haben: Schweizer Grossbanken haben verstanden, dass nicht alles aus eigener Kraft entwickelt werden kann. Sie müssen aber vermehrt Partnerschaften mit Fintech-Unternehmen eingehen, statt diese nur als Dienstleister zu sehen. Nur so können sie von möglichen Synergien profitieren.
  3. Kleine Schritte, grosse Wirkung: Banken stehen immer mehr Microservices zur Verfügung, die eine rasche und einfache Integration mit viel Kundennutzen ermöglichen, ohne das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen zu müssen.
  4. Offene Schnittstellen start geschlossene Systeme: Jede Zusammenarbeit bringt auch eine gegenseitige Öffnung mit sich. Dasselbe gilt bei der Integration unterschiedlicher Systeme. Open Banking oder Open API heisst das Lösungswort dazu, und mit der aktuellen PSD2-Direktive wird nicht nur der Markt für neue, bewilligungspflichtige Zahlungsverkehrsdienstleister geöffnet, sondern auch die Sicherheit und Stabilität dank der strengeren Anforderungen erhöht.
  5. Verstehen und anwenden: Nur wenn jeder Mitarbeiter versteht, was für ein Wandel zurzeit in der Schweizer Finanzindustrie stattfindet und welches Umdenken sowohl beim Management als beim Angestellten der Banken erforderlich ist, kann von einer erfolgreichen
    Transformation in das digitale Zeitalter gesprochen werden. Wir Menschen müssen vermehrt auf unsere menschlichen Fähigkeiten setzen und weniger gegen intelligentere Systeme antreten wollen.

Autor: Aniello Bove, CEO und Partner, andrion

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